Haussegen zum Dreikönigsfest

Erfüll mit deinen Gaben
Herr Jesu, dieses Haus!
Tod, Krankheit, Seelenschaden,
Brand, Unglück treib hinaus!

Lass hier den Frieden grünen,
verbanne Zank und Streit,
dass wir dir fröhlich dienen
jetzt und in Ewigkeit!

Volksgut

 

 
     
     

 

 

 

 

 

     
    Babuschka eine Geschichte...  
   

 

 

 
 

Der Stern

 

Hätt’ einer auch fast mehr Verstand

Als wie die drei Weisen aus dem Morgenland

Und liesse sich dünken, er wäre wohl nie

Dem Sternlein nachgereist, wie sie;

Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

Seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,

fällt auf sein verständig Gesicht,

er mag es merken, oder nicht,

ein freundlicher Strahl

des Wundersterns von dazumal…

 

Wilhelm Busch

 
 
     
     
     
  Epiphanias

The three holy kings with their star's bright ray,--
They eat and they drink, but had rather not pay;
They like to eat and drink away,
They eat and drink, but had rather not pay.

The three holy kings have all come here,
In number not four, but three they appear;
And if a fourth join'd the other three,
Increased by one their number would be.

The first am I,--the fair and the white,
I ought to be seen when the sun shines bright!
But, alas! with all my spices and myrrh,
No girl now likes me,--I please not her.

The next am I,--the brown and the long,
Known well to women, known well to song.
Instead of spices, 'tis gold I bear,
And so I'm welcome everywhere.

The last am I,--the black and small,
And fain would be right merry withal.
I like to eat and to drink full measure,
I eat and drink, and give thanks with pleasure.

The three holy kings are friendly and mild,
They seek the Mother, and seek the Child;
The pious Joseph is sitting by,
The ox and the ass on their litter lie.

We're bringing gold, we're bringing myrrh,
The women incense always prefer;
And if we have wine of a worthy growth,
We three to drink like six are not loth.

As here we see fair lads and lasses,
But not a sign of oxen or asses,
We know that we have gone astray
And so go further on our way.

Johann Wolfgang von Goethe

 
     
   
 

 

 

 
 

... und nun auch noch in  Deutsch

 

Epiphanias

Die heil'gen drei König mit ihrem Stern,

Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern.

Sie essen gern, sie trinken gern,

Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

 

Die heil'gen drei König sind kommen allhier,

es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;

und wenn zu dreien der vierte wär',

so wär ein heil'ger drei König mehr.

 

Ich erster bin der Weiss' und auch der Schön',

bei Tage solltet ihr erst mich sehn!

Doch ach, mit allen Spezerei'n

werd' ich sein Tag kein Mädchen mir erfreu'n.

 

Ich aber bin der Braun und bin der Lang',

bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.

Ich bringe Gold statt Spezerei'n,

da werd' ich überall willkommen sein.

 

Ich endlich bin der Schwarz' und bin der Klein'

und mag auch wohl einmal recht lustig sein.

Ich esse gern, ich trinke gern,

ich esse, trinke und bedanke mich gern.

 

Die heil'gen drei König sind wohlgesinnt,

sie suchen die Mutter und das Kind;

der Joseph fromm sitzt auch dabei,

der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

 

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,

dem Weihrauch sind die Damen hold;

Und haben wir Wein von gutem Gewächs,

so trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

 

Da wir nun hier schöne Herrn und Frau'n,

aber keine Ochsen und Esel schau'n,

so sind wir nicht am recht'n Ort

und zieh'n unseres Weges weiter fort.

Johann Wolfgang von Goethe

 
 
   

 

 
 

 
   

 

 
 

Epiphania

Finsternis bedeckt die Erde
Und die Völker dunkle Nacht,
Doch nun schallt ein zweites
„Werde Licht”
und schon ist Sonnenpracht.
Sprach der Schöpfer es der Erde,
Dass erblühe Wald und Feld,
Spricht der Sohn das zweite „Werde”
In die Nacht der Menschenwelt.

Hebe ringsum nur die Augen,
Werde Licht, Jerusalem!
Schlaf und Traum will nimmer taugen,
Mach' dich auf nach Bethlehem!
Könige nahen aus der Ferne,
Achtend nicht auf Weg und Wind:
Oben funkeln Wundersterne,
Leitend nach dem Wunderkind.

Heb` die Augen: Süd' und Norden,
Ost und West betritt den Pfad,
Alle Völker, alle Horden
Schau'n den Glanz, und Alles naht.
Die verschied'ne Sprachen sprechen,
Hier ist ihre Sprache Eins,
Alter Sünde Zauber brechen
Vor der Macht des Wunderschein's.

Statt der Lüge herrscht die Wahrheit,
Liebe herrscht, wo sonst nur Hass;
Friede waltet, Huld und Klarheit,
Aller Gnaden Übermaß.
Von der Wiege bis zum Grabe,
So im Sturm wie Sonnenschein,
Findet Feder Gottesgabe:
Wahrheitsbrot und Liebeswein.

Und noch immer durch die Zeiten
Wandelt Er, der Völker Heil,
Alle, Alle zu geleiten
Zu des ew'gen Lichtes Teil.
Schau' zum Stern, o Kind der Erde,
O er schimmert himmlisch klar;
Frage nicht, was mit dir werde,
Folg' dem Sterne immerdar!

Franz Alfred Muth

 
   

 

 
   
   

 

 
 

Die heil’gen drei Könige


Die heil’gen drei Kön'ge aus Morgenland,

sie frugen in jedem Städtchen:

"Wo geht der Weg nach Bethlehem,

ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,

die Könige zogen weiter,

sie folgten einem goldenen Stern,

der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern bleibt steh’n über Josephs Haus,

da sind sie hineingegangen;

das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,

die heil’gen drei Könige sangen.


Heinrich Heine

 
 
   

 

 
 

 
   

 

 
 

Die heiligen drei Könige


"Die heiligen drei König mit ihrem Stern,
die essen und trinken und zahlen net gern,
sie reiten auf einem weißen Ross
vor jedes Haus, vor jedes Schloss
und tragen um zum stopfen
einen leeren Sack und klopfen
an alle Fenster, alle Tür'n,
ob’s net ebbes kriegen wer'n.
Draus in Tenna
lauf'n die fett'n Henna,
droben im First
hangen die Würst,
gebt’s mir die langen,
lasst die kurzen hangen,
Kerzen raus, Küechle raus,
oder ich schlag ein Loch ins Haus,
Äpfel raus, Birn raus,
geh mer in ein anders Haus!
Klopf an, klopf an,
die Bäurin hat ein schöna Mann,
die Bäurin is die schönste Frau,
was sie hat, das gibt `s mir a . . ."

Ludwig Ganghofer

 

 
   

 

 
 

 
   

 

 
 

Die Könige


Drei Könige wandern aus Morgenland,

ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand,

in Juda fragen und forschen die drei,

wo der neugeborne König sei.

Sie wollen Weihrauch, Myrrhen und Gold

zum Opfer weihen dem Kindlein hold.



Und hell erglänzet des Sternes Schein,

zum Stalle gehen die Könige ein,

das Knäblein schauen sie wonniglich,

anbetend neigen die Könige sich,

sie bringen Weihrauch, Myrrhen und Gold

zum Opfer dar dem Knäblein hold.



O Menschenkind, halte treulich Schritt,

die Könige wandern, o wandere mit!

Der Stern des Friedens, der Gnade Stern

erhelle dein Ziel, wenn du suchest den Herrn;

und fehlen dir Weihrauch, Myrrhen und Gold,

schenke dein Herz dem Knäblein hold!

Peter Cornelius

 

 
   

 

 
 

 
   

 

 
 

Die Anbetung der Weisen

O König du im armen Stall,
wir fallen auf's Antlitz vor dir,
der Engel jubelnden Widerhall,
im Herzen hören ihn wir.
Nimm hin den Weihrauch, Myrrh'n und Gold,
nimm hin des Morgenlandes Gut.'
Wir stehen , o König in deinem Sold,

wir leben in deiner Hut.
Im Weihrauch steig' das Gebet empor
Zu deinem Angesicht,
tu' auf deiner Gnade weites Tor,
verschmähe die Bittenden nicht!
Die Myrrhe deutet die Bitterkeit,
dass du zu leiden kamst;

doch auch, dass du die Schmerzen geweiht,
von ihnen den Stachel nahmst.
Wie lautres Gold sei unsre Lieb',
so unverfälscht und rein.
Was uns an Hab' und Schätzen blieb,
all dies, o König, sei dein.

Josef Gabriel Ritter von Rheinberger

 
 
     
 

 
     
  Die gute Nacht

 

Der Tag, vor dem der grosse Christ

zur Welt geboren worden ist

war hart und wüst und ohne Vernunft.

Seine Eltern ohne Unterkunft

fürchteten sich vor seiner Geburt

die gegen Abend erwartet wurd.

 

Denn seine Geburt fiel in die kalte Zeit.

Aber sie verlief zur Zufriedenheit.

Der Stall, den sie doch noch gefunden hatten

war warm und mit Moos zwischen seinen Latten

und mit Kreide war auf die Tür gemalt

dass der Stall bewohnt war und bezahlt.

 

So wurde es doch noch eine gute Nacht

auch das Heu war wärmer als gedacht.

Ochs und Esel waren dabei

damit alles in Ordnung sei.

Eine Krippe gab einen kleinen Tisch

und der Hausknecht brachtet ihnen heimlich einen Fisch

 

(Denn es musste bei der Geburt des grossen Christ

alles heimlich gehen und mit List.)

Doch der Fisch war ausgezeichnet und reichte durchaus

und Maria lachte ihren Mann wegen seiner Besorgnis aus

denn am Abend legte sich sogar der Wind

und war nicht mehr so kalt, wie die Winde sonst sind.

 

Aber bei der Nacht war es fast wie ein Föhn.

Und der Stall war warm und das Kind war sehr schön.

Und es fehlte schon fast gar nichts mehr

da kamen auch noch die Dreikönig daher!

Maria und Joseph waren zufrieden sehr.

Sie legten sich sehr zufrieden zum Ruhn

mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun.

 

Bert Brecht

 

 

 

 
     
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