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Weit im Osten lebte
eine alte Frau, die von allen Babuschka genannt wurde, was soviel heisst wie
Grossmütterchen.
In der Nacht als in Bethlehem Jesus
geboren wurde, sass Babuschka in ihrem gemütlichen kleinen Häuschen, nahe
dem Fenster. Der Wind fegte durch den hohen Schnee und heulte im Kamin, er
liess Babuschkas Feuer noch stärker prasseln.
"Wie froh bin ich
doch, drinnen im Warmen zu sitzen", rief Babuschka und hielt ihre Hände
wärmend über die lodernden Flammen.
Plötzlich hörte sie
ein lautes Pochen an der Tür. Sie öffnete. Draussen standen drei prächtig
gekleidete alte Männer. Ihre Bärte waren weiss wie der Schnee und so lang,
dass sie beinah den Boden berührten. Ihre Augen blickten freundlich in
Babuschkas Gesicht. In ihren Händen hielten sie kostbare Gaben - Kästchen
voller Edelsteine, wohlriechende Öle und Salben.
"Wir sind weit
gereist, liebes Mütterchen", sprachen sie. "wir haben unsere Reise
unterbrochen, um dir von der Geburt des Jesuskindes heute nacht zu Bethlehem
zu erzählen. Es wurde geboren, um die Welt zu regieren und um uns von Liebe
und Wahrheit zu künden. Wir bringen ihm Geschenke. Komm mit uns, Babuschka!"
Babuschka sah erst
draussen den herumwirbelnden Schnee, dann blickte sie sich in ihrem
behaglichen Zimmer mit dem knisternden Feuer um.
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"Ihr Herren, für mich
ist es zu spät, um mit euch zu gehen", antwortete sie, "die Nacht ist zu
kalt."
Da machten die drei
Alten sich auf den Weg nach Bethlehem.
Als Babuschka so
schaukelnd vor dem Feuer sass, dachte sie an die Geburt des Jesuskindes, sie
mochte kleine Kinder sehr gerne.
"Morgen in der Früh
werde ich mich auf den Weg machen und das Christkind auch suchen", sprach
sie zu sich "morgen, wenn es hell wird und ich werde ihm einige Spielsachen
mitbringen."
Am Morgen zog
Babuschka ihren Mantel an, nahm ihren Stock und füllte ihren Korb mit all
den schönen Dingen, die ein Kind gerne mag: goldene Bälle, Spielzeug aus
Holz und feingewobene Silberkordeln - dann machte sie sich auf den Weg, das
Jesuskind zu suchen.
Babuschka hatte
jedoch vergessen, die drei Weisen abends nach dem Weg nach Bethlehem zu
fragen, und diese waren die Nacht hindurch so gut vorangekommen, dass das
alte Mütterchen sie nicht mehr einholen konnte
Babuschka wanderte
durch Wälder, Felder und Städte. Überall fragte sie die Leute: "Ich suche
das Jesuskind, könnt ihr mir sagen, wi ich es finde? Ich habe ein paar
schöne Spielsachen."
Aber niemand konnte
ihr den Weg zeigen. "Du musst noch ein Stückchen weiterlaufen, ein kleine
Stückchen noch", das war alles, was sie antworten konnten. So wanderte das
Mütterchen weiter und weiter - und ein Jahr nach dem anderen verstrich, ohne
dass sie das kleine Jesuskind gefunden hatte.
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Man sagt, Babuschka
wandert noch immer umher und sucht nach dem Jesuskind. Und jedes Jahr, am
Morgen des Heiligen Abend, wenn alle Kinder noch tief und fest schlafen,
stapft Babuschka durch den tiefen Schnee, läuft über verschneite Felder ab
Dörfern vorbei, sie eingehüllt in ihren langen Mantel, den Korb um ihren Arm
gehängt. Freundlich klopft sie an jede Tür. "Ist es hier?" fragt sie. "Ist
das Jesuskind hier?" Doch die Antwort ist jedesmal 'nein' und so macht sie
sich bekümmert wieder auf ihren Weg.
Bevor sie jedoch
weitergeht, lässt sie auf dem Kopfkissen eines keden Kindes eine Kleinigkeit
aus ihrem Korb zurück.
"Dem Jesuskind
zuliebe", murmelt sie dabei sanft, und dann eilt sie weiter durch die Jahre,
noch immer auf der Suche nach dem Christkind.
Russisches
Volksmärchen |
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