Advents Kalender
 6. Dezember
 
 
 

 

 

 

 

Der allererste Weihnachtsbaum

4. Teil

Als die Lichter ein wenig heruntergebrannt waren, wehte das Christkindchen mit seinen goldsilbernen Flügeln, da gingen die Lichter aus. Es ist dem Weihnachtsmann, er soll das Bäumchen vorsichtig absägen. Das tat er und dann gingen beide den Berg hinab und nahmen das Bäumchen mit.

Als sie in den Ort kamen, schlief schon alles. Beim kleinsten Haus machten die beiden Halt. Das Christkind machte leise die Tür auf und trat ein: der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand ein dreibeiniger Schemel mit einer durchlochten Platte. Den stellten sie auf den Tisch und steckten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte noch allerhand schöne Dinge, Spielzeug, Kuchen, Äpfel und Nüsse unter den Baum, dann verliessen die beiden das Haus so leise wie sie es betreten hatten.

Als der Mann, dem das Häuschen gehörte, am anderen Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an dem Türposten, den des Christkindchens  Flügel gestreift hatte Gold- und Silberflimmer hängen sah, da wusste er Bescheid.

Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und eckte Frau und Kinder. Das war eine Freude in dem kleinen Häuschen wie an einem Weihnachtstag. Keines der Kinder sah nach dem Spielzeug, nach dem Kuchen und den Äpfeln, sie sahen alle nur den Lichterbaum. Sie fassten sich an den Händen, tanzten um den Baum und sangen alle Weihnachtslieder, die sie wussten, und selbst das Kleinste, das noch auf dem Arm getragen wurde, krähte, was es krähen konnte.

Als es hell lichter Tag geworden war, da kamen die Freunde und Verwandten des Bergmanns, sahen sich das Bäumchen an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich für ihre Kinder auch ein Weihnachtsbäumchen zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach, jeder holte sich einen Tannenbaum und putzte ihn an, der eine so, der andere so, aber Lichter, Äpfel und Nüsse hängen sie alle dran.

Als es dann Abend wurde, brannte im ganzen Dorf Haus bei Haus ein Weihnachtsbaum, überall hörte man Weihnachtslieder und das Jubeln und Lachen der Kinder.

Von da aus ist der Weihnachtsbaum über ganz Deutschland gewandert und von da über die ganze Erde. Weil aber der erste Weihnachtsbaum  am Morgen brannte, so wird in manchen Gegenden den  Kindern morgens beschert.

Hermann Löns

 

 

 

 

 

         
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