| Der kleine Wicht 3. Teil
Und abends als der Alte ins Holz ging, um für den Bauernmeister einen Hasen zu schiessen, da kam Johann. Er sah auch blass und traurig aus und manchmal kullerte ihm eine Träne über das Gesicht. Traurig sassen die beiden Liebesleute da, Hand in Hand und weinen und seufzten. Lange sah der Wicht aus seiner Herdecke ihnen zu aber schliesslich taten sie ihm doch zu leid. Und er trat aus seinem Winkel heraus, stellte sich vor sie hin und fragte sie mit dünner Stimme, was ihnen denn fehlte. Die beiden fuhren zusammen, denn sie sahen ihn nicht. Aber da nahm er seine rote Zipfelmütze ab und sie erkannten ihn. Sie lachten nicht über seine Entenfüsschen, sie lachten nicht über seine Krötenhändchen und seinen Mausebart und da fragte er sie nochmals nach ihrer Not. Und sie erzählten ihm von ihrer Liebe und von ihrer Not und sagten ihm, wie schrecklich es wäre, dass beide so blutarm wären wie die Kirchenmäuse, so arm, dass sie nie daran denken könnten, Mann und Frau zu werden und sie weinten bitterlich. Da wurde es dem kleinen Wicht ganz wunderbar ums Herz, und er dachte daran, wie lieb Lieschen immer zu ihm gewesen war und was er Johann zu verdanken hatte und plötzlich fielen ihm seine Schätze ein und dass er damit den beiden Liebesleuten helfen könnte. Und da lachte er seit tausend Jahren zum erstenmal und winkte dem Knecht und sagte ihm, er solle eine Schute und einen Sack nehmen und ihm folgen. Dann ging er mit ihm über die verschneite Heide bis zum Hünengrabe. Und dort lief er rund um die Tanne und trat mit seinen Patschfüsschen einen Kreis in den Schnee und sagte, er solle die Tanne ausgraben. Das tat Johann, und als er die Tanne mit vieler Mühe herausgerissen hatte, da funkelte und glitzerte es im Mondlicht in dem Loche von Gold und Geld, Perlen und Edelsteinen. Und das alles gab ihm der Wicht und sagte ihm, die Tanne solle er mitnehmen, schön aufputzen und nach Weihnachten vor dem Haus des Waldhüters eingraben. Das war eine frohe Weihnachten am nächsten Abend. Mitten auf dem Fleet stand die junge Tanne mit ihrem Wurzelboden und darunter lag der Schatz. Und nach Weihnachten ging Johann in die Stadt und verkaufte all das blanke Zeug, und von dem Erlös kaufte er Wiesen und Äcker und Holz und baute an der Stelle der alten Kate ein grosses Haus, das bezog er im Sommer mit Lieschen, Und da er fleissig und sparsam war, zahlte er dem Wicht das ganze Darlehen in zehn Jahren zurück. Und jeden Winter wohnt der Kleine bei ihnen und bekommt das beste aus Keller und Küche. Die Tanne aber ist gross und schlang geworden, und in ihr brütet im Sommer ein Amselpaar. Und wer die Geschichte nicht glaubt, der gehe nach dem Wichtelhofe. Da kann er die Tanne sehen und Lieschen, die jetzt die Wichtelhofbäuerin heisst. Und schon daran, dass die Leute vom Wichtelhof keine Enten halten um ihren Herdgeist nicht an seine Patschfüsse zu erinnern, sieht man, dass es mit dem Wichtelhofe ein heimliches Ding ist.
Ende
|
![]() zurück zum Weihnachtsteller
|
![]() Adventskalender
|
![]() Weihnachtsübersicht
|
||