| Der kleine Wicht 2. Teil
Nun hatte der Jagdhüter eine Tochter, die war das schönste Mädchen im Dorf. Ihre Backen waren so weiss und so rot wie roten Glöckchen im Moor, und ihr Haar war so weich wie Wollgrad und so goldig wie die Abendsonne im Fuhrenwald. Und die hatte einen Liebsten, der war Knecht im Dorfe. Er war der hübscheste und strammste Bengel weit und breit und fleissiger und nüchterner als alle anderen, aber er war gerade so arm wie seine Liebste. Und so gern er seine Liebste geheiratet hätte, es ging nicht, weil sie beide nichts hatten. Und weil der Vater des Mädchens das wusste, darum litt er es nicht, dass die beiden miteinander gingen. Aber an jedem Sonntagabend im Frühling und Sommer trafen sie sich bei dem Steingrabe und sassen da und küssten sich und jammerten über ihre Armut. Anfangs hatte Puck sich über sie geärgert, denn küssen und kosen sah der Wicht nicht gern. Aber da sie so still und ernst waren, so mochte er sie schliesslich gerne leiden. Und dann hatte er auch Grund, beiden gut zu sein. Lieschen, die Tochter des Waldhüters, war ein gutes Mädchen. Sie hatte einmal morgens in der Herdasche die Spuren der Entenfüsse von ihm entdeckt und hatten ihre alte Muhme gefragt, was das wäre. Und die war eine kluge Frau, die von heimlichen Gingen Bescheid wusste, und sie sagte ihr, das wäre wohl ein armer kleiner Wicht, der nicht Weib noch Kind hätte. Das tat dem guten Mädchen leid, und sie stellte von da ab jeden Abend auf einem Puppenteller für den Kleinen Speisen und in einem Fingerhut Milch oder Honigbier hin. Und wenn gebacken wurde, dann backte sie ihm extra einen kleinen Kuchen, und wenn geschlachtet wurde, dann band sie ihm eine kleine Wurst. Und jeden Morgen was alles aufgegessen. Johann, der Knecht, hatte bei dem Kleinen auch einen Stein im Brett. Denn vor zwei Jahren hatte sein Bauer ihm gesagt, er solle mit Bohrer und Pulver hingehen und das Hühnengrab zerschiessen, er brauche Steine für ein Steinfundament. Johann aber hatte gesagt, das täte er nicht, denn er wollte nicht den Platz zerstören, wo er so oft mit seinem Lieschen gesessen hatte. Da hatte der Bauer geschimpft und ihm gekündigt und der Knecht war beim Amtmann in Dienst gegangen und hatte dem erzählt, warum der Eichenbauer ihm gekündigt hatte. Da hatte der Amtmann an den Drosten geschrieben und der hatte der Gemeine bei hoher Strafe verboten, das Steingrab zu zerstören. Das hatte Puck gehört, als Lieschen ihrem Vater das erzählte und er war dem hübschen Knecht sehr dankbar dafür, denn so versteinert war des Wichtes altes Herz doch nicht. Nun war es wieder einmal Weihnachtszeit geworden. Die Bauern waren alle zur Stadt gewesen und hatten eingekauft zum Heiligen Abend. Im ganzen Dorf war alles voller Vorfreude, nur in des Waldhüters Haus sah es nicht festlich aus. Da ging das blonde Lieschen mit dick geweinten Augen herum, und der alte Herr brummte und knurrte den ganzen Tag. Denn er wollte, dass Lieschen den Krämer heiratete, den alten, dem das hübsche Mädchen gefiel. Aber die wollte ihn nicht und sie ass und trank nicht und sah ganz blass und miesepeterig aus.
ob das gut ausgeht? Schau doch einfach morgen wieder herein und liess weiter...
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