| Der kleine Wicht nach Hermann Löns (für Lexi) Es war einmal ein kleiner Wichtelmann, der wohnte ganz hinten in der Lüneburger Heide, wo sich die Hasen und die Füchse gute Nacht sagen. Sein Haus war das grosse, graue Steingrab, das fleissige Fischer und Imker vor vielen tausend Jahren für ihre Könige aufgebaut hatten. Da wohnte der kleine Brummerjahn schon viele, viele Hunderte von Jahren ganz muttermausseelenallein. Wenn es Sommer war, dann schleppte er tief aus der Erde seine Schätze und breitete sie auf den dunkelgrünen Moospolstern aus. Es sehe putzig aus, wenn der Kleine auf seinen Entenfüssen umherwatschelte und in seiner grauen Schleppkutte die Flussperlen, Silberstückchen, Goldmünzen, Bronzeringe und Bernsteinkugeln aus dem Steingrabe hervorholte. Und hatte er sie dann auf dem Moosrasen ausgebreitet und all das blanke und bunte Zeug glitzerte und blitzerte in der Sonne, dann juchzte er vor Vergnügen und war sein rotes Zipfelmützchen hoch in die Luft, hoch über das Heidekraut. Sp stark war der kleine Mann. Er lebte sehr, sehr einsam, der kleine Wicht. Da war wohl ein Steinschmätzerpaar, das in dem Steingrabe nistete, aber diese Herrschaften waren ihm zu wibbelig und er verkehrte nicht mit ihnen. Auch die braunen Mäuse waren nicht seine Freunde. Das war Pöbel, der sich fortwährend zankte und laut quiekte. Aber der Rank, der alte Kolkrabe, der schon seit siebzig Jahren Witwer war und die uralte Schnake, die verwitwete Kreuzotter, das waren Pucks Freunde. Die redeten nicht immer von Liebe, wie das andere Volk auf der Heide, die waren gesetzt und vernünftig. Denn von Liebe mochte der Wicht nichts hören. Als er jung war, vor zweitausend Jahren, da hatte er sich einmal sehr verliebt. In ein kleines Wollgrasnixchen aus dem Bruch. Er hatte ihr fünfzig Jahre lang den Hof gemacht, hatte ihr Blumen und Waldfrüchte, Perlen und Edelsteine gebracht, hatte Lieder zu ihrem Lob gesungen und abends vor ihrem Häuschen Musik gemacht. Aber als er sie freien wollte, da hat sie ihn ausgelacht und ihm gesagt, er solle sich unter den Krickenten vom Moor eine Braut suchen, die hätten gerade solche Patschfüsse wie er. Da war er traurig weggegangen zu der alten Eiche, aus deren Rindenriss schäumender Met floss. Vier Wochen hatte er herumgesumpft und hatte jeden Morgen einen grässlichen Kater gehabt. Und als der Met nicht mehr floss, da wanderte er in die Unterwelt und trank Minne mit den Erdzwergen, den Leuten mit den toten Herzen, und blieb da so lange, bis sein Herz abgestorben war. Das war nun schon schrecklich lange her, aber der Wicht dachte in jedem Frühling wieder dran. Dann zog er seine Runzelstirn in viele hundert Falten, schimpfte mit den Steinmätzern, die sich verliebt um das uralte Grab jagten, brummte mürrisch wie eine alte Erdhummel und sass brummig wie ein Maulwurf unter der jungen Tanne, die vor dem Eingang zu seinem Steinhause wuchs. Im Winter aber, wenn der Schnee hart und fest auf der Heide lag, dann wanderte der Wicht in das Dorf und lebte bei dem brummigen Jagdhüter.
Morgen geht die Geschichte weiter...
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