| Was die Mutter beim Kuchen backen erzählt
Gestern, gerade schlug's Mitternacht, hör' ich auf einmal ein fernes Brummen. Ich denk' mir, das Feuer im Ofen wird summen oder ums Haus der Schnee. Aber wie ich zum Fenster geh'. Seh' ich, es sind lauter Bienen. Die haben sieben goldene Honigwaben für den Weihnachtskuchen gebracht.
Und wie ich fortgehn will heut morgen, Milch und Brot für das Frühstück besorgen, trippelt's vorm Küchenfenster ganz leise. Ich frag' mich: „Klopft schon die hungrige Meise?“ Doch ein Eichhörnchen war es mit buschigem Schweif, das braune Pelzchen dick weiss vom Reif, und im Schnupperschnäuzchen hält's – seh' ich recht? - ein zierliches Haselrutengeflecht voller Nüsse, schon sauber geknackt und geschält.
Ich hab' sie noch gar nicht alle gezählt, denn gleich darauf scharrt es vorm Tor, und ich schau' steht ein Esel draussen, langohrig, grau wirft zwei Säcklein vom Rücken und schreit, dass ich's nehm', er müsse gleich weiter nach Bethlehem. In einem war Zucker, im anderen Mehl, und wie ich so dahsteh, meiner Seel', gehen im Schnee zwölf weisse Schneehühner vorbei, und jedes legt mir ein schneeweisses Ei zu Füssen, während vom Dachrand die Tauben Zibeben fallen lassen zum Klauben. Mir tut noch jetzt alles weh vom Bücken. Aber der Kuchen wird himmlisch glücken. Hilf nur brav rühren! Dann finden wir gar heute noch ein silbernes Engelshaar.
Christine Busta
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